Was wir vom Fall VanMoof für unser Smarthome lernen sollten

VanMoof hat ziemlich hippe E-Bikes vertrieben und ist aktuellen Medienberichten zufolge pleite. Direkt hat das nichts mit unserem Smarthome zu tun aber dennoch sollten wir als Smarthome-Fans hieraus lernen und unsere Schlüsse ziehen. Aber der Reihe nach!

VanMoof hat einige Jahre lang hippe und teure E-Bikes vertrieben. E-Bikes gibt es wie Sand am Meer aber VanMoof wollte eben ein klein wenig besonders sein um deswegen von euch viel Geld zu bekommen. Ich selbst habe nie ein solches (oder ein anderes) E-Bike besessen und kann gar nicht genau sagen, was die E-Bikes von VanMoof alles können (oder besser: konnten). Bei VanMoof gab es aber viel teure Werbung und natürlich eine Cloud-Anbindung. Über diese Cloud-Anbindung wurden Zusatzfunktionen versprochen, die den Preis eines solchen E-Bikes rechtfertigen sollten.

Nun ist VanMoof pleite und was schaltet man dann natürlich ab? Richtig, im Falle einer Unternehmenspleite ist es nur eine Frage der Zeit, bis Cloud-Dienste nicht mehr verfügbar sind, da die hieraus resultierenden Rechnungen nicht mehr bezahlt werden (können).

Wie sich Geräte oder Apps mit Cloud-Anbindung verhalten, wenn die Cloud nicht mehr da ist, kennt jeder von einem der zahlreichen Ausfälle bei WhatsApp und Co. (oder noch drastischer, wenn das gute Internet zu Hause für ein paar Minuten/Stunden weg ist).

Als Kunde von VanMoof erlebt man nun aber folgendes: Man hat sich ein E-Bike für 2.000 bis 3.500 Euro gekauft in der Annahme alle Zusatzfunktionen (die vermutlich nicht unwesentlicher Bestandteil der Kaufentscheidung waren) für immer nutzen zu können, solange das E-Bike grundsätzlich funktional ist. Und dann sind die VanMoof-Server auf einmal weg und alle Zusatzfunktionen, die die Cloud-Anbindung voraussetzen, sind nicht mehr gegeben. Das ist hart und leider auch verdammt teuer!

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Von VanMoof zum Smarthome

Was hat das Ganze nun mit deinem Smarthome zu tun? Ich werde nicht müde immer wieder darauf hinzuweisen, dass man beim Aufbau des eigenen Smarthomes, wenn immer möglich, auf Cloud-Anbindungen verzichten sollte! Egal ob Hue, SmartThings, die Xiaomi-Bridge oder eine Garagentor-Steuerung: Jede dieser smarten Lösungen wird euch um die Ohren fliegen, wenn der Anbieter dahinter „weg“ ist.

Und „weg“ muss ja nicht gleich ein Bankrott sein: Es gibt (wie bei dem WhatsApp-Beispiel von weiter oben) ja auch nicht selten Systemausfälle, die die Nutzung einer Cloud-Anbindung verhindern. Auch dann bist du mit solchen Smarthome-Komponenten aufgeschmissen!

Auch ich habe „damals“ mit Hue-Produkten angefangen. Für den Einstieg war das perfekt: Auspacken, Anschließen, Registrieren und schon glaubt man „smart“ zu sein. Aber eben in einer proprietären Abhängigkeit! Und ja, diese Hue-Lampen von damals sind bei mir auch immer noch im Einsatz (technisch sind die ja auch vollkommen in Ordnung) – aber eben nicht mehr mit der Hue-Bridge und der zwanghaften Cloud-Anbindung (Hue ZigBee Geräte in Home Assistant einbinden in 2 Schritten)!

Home Assistant macht es sehr einfach und jedem möglich, ein offenes Smarthome zu betreiben. Offen in dem Sinne, das man sich von den proprietären Systemen dauerhaft lösen kann. Das schafft unendliche Möglichkeiten das Smarthome zu gestalten und bewahrt einem zudem vor einem Szenario wie bei dem von VanMoof (um zum Einstieg dieses Beitrags zurück zu kommen ;)).

Glaubt mir: Ihr werdet langfristig sehr viel mehr Freude an eurem Smarthome haben, wenn ihr Home Assistant, wenn immer möglich, so nutzt, wie es gedacht ist:

The Open Home is about privacy, choice and durability.
Übernommen von https://www.home-assistant.io/blog/2021/12/23/the-open-home/

Konkret geht es mir in diesem Beitrag/Rant um die durability, also Haltbarkeit von Produkten und somit eures Smarthomes. Home Assistant ist dafür gebaut, euer Smarthome „haltbar“ zu machen, also euch von proprietären Abhängigkeiten zu lösen und somit die Lebenszeit jeglicher Cloud-Anbindungen zu überleben!

Das klingt jetzt alles schon ein wenig pathetisch von mir. Aber tatsächlich geht es ja um einen Grundsatz, der, wenn beherzigt, jedem Smarthome-Fan das Leben erleichtern wird.

Es gibt eigentlich für alles eine „offene“ Lösung mit Home Assistant, die in der Regel der proprietären Lösung in Nichts nachsteht. Und wenn doch, dann behalte diese proprietäre Lösung – aber wechsle, wenn immer es ohne Nachteile geht, auf eine offene Variante ohne die Cloud!

Was heißt offen? In der Regel fängt das mit einem ZigBee und/oder Z-Wave USB-Dongle an, der deine bisherige Bridge ersetzt, dich aber nachhaltig unabhängig macht:

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  • Vorgeflasht mit Z-Stack 3.x.0-Koordinator-Firmware
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Ja, der Umstieg von einer proprietären Lösung hin zu einer lokalen, offenen Lösung kann (einmalig) aufwändig sein – aber dann kann dir so etwas wie bei VanMoof nicht mehr passieren!

Was denkst du? Übertreibe ich oder versuchst du es ähnlich umzusetzen?

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3 Gedanken zu „Was wir vom Fall VanMoof für unser Smarthome lernen sollten“

  1. Hallo,

    toller Blog! Find’s super, dass Du dir soweit Zeit dafür nimmst.

    Ich hab auch eine HA Instanz laufen und überwache mittlerweile ziemlich viel. Angefangen bei Modbus Stromzählern (SDM630), AI on the Edge Gas- und Wasserzähler (via MQTT), hin zu Huawei WR via Modbus (24kWp) und einige Zigbee Geräte über einen ConBee Stick. Ich habe ein paar Dutzend Automatisierungen laufen, hauptsächlich Rollos hoch und runterfahren (je nach Wetter, Jahreszeit usw) oder die WRs nachts abschalten, wenn die beiden Akkus leer sind. Die OpenWB Wallboxen werden auch per MQTT aus HA gesteuert. Lampen hab nur 2 Stück automatisiert, das macht keinen Spaß und Rasen haben wir nicht sondern nur Blühwiese. Die wird max. 2x im Jahr mit Balkenmäher gemäht, damit wir möglichst vielen Insekten einen Lebensraum bieten können. Außerdem freuen sich unsere Bienen über jede Blüte (10 Völker) und wir dann über den Honig ;). Unsere Gastherme wurde noch mit EMS-ESP via MQTT angebunden, aber da ist nichts automatisiert. Das regle ich lieber selbst nach Gefühl und Situation.

    Ich lege großen Wert darauf, dass alles Offline und „Open“ ist. MQTT ist immer ein guter Ansatz. Es gibt aber auch Dinge, die gehen (noch) nicht. Unsere Velux Fenster/Rollos zb… Das läuft aktuell noch über die Tahoma Switch mit Cloud-Anbindung (HA Integration ist verfügbar), weil die Geräte das proprietäre io-Homecontrol auf 866MHz sprechen. Es gibt ein Projekt unter https://github.com/Velocet/iown-homecontrol und die Jungs sind auch schon gekommen aber fertig ist es nicht. Ich hoffe sehr, dass was kommt. Das nervt gewaltig und ist das letzte Teil im Puzzle.

    Amazon Alexa kommt natürlich nicht ins Haus. Stattdessen arbeite ich derzeit an einer Rhasspy Anbindung. Das ist aber eher ein Projekt für den Nasskalten Winter…

    TLDR: Ich baue alles auf, dass alles On-Prem läuft. Cloud im SmartHome -> Nein danke. Ich würd’s wieder so machen.

    Antworten
    • Der Block ist gut und informativ.

      Ich bastel mir gerade mittels Home Assistent ein SmartHome aus bestehenden AVM(FRITZ!Box) – Produkten und neu erworbenen Zigbee- und Z-Wave-Geräten zusammen.

      Grundsätzlich bevorzuge ich auch eine AntiCloud-Lösung, aber bei dem Abgesang auf die Cloud-Lösungen der diversen Hersteller mit den entsprechenden Abhängigkeiten und dem Bankrott-Risiko kann ich nicht ganz mitgehen.

      Denn genauso wie eine Hersteller-Cloud vom Markt verschwinden kann, kann auch das Open-Source-Projekt Home Assistant verschwinden.

      Dann fliegt den Nutzern hier auch alles um die Ohren.

      Und es wäre nicht das erste Projekt dieser Art, das sich in Luft auflöst.

      Beste Grüße
      Heiko

      Antworten
      • Jein, sehe ich ein klein wenig anders: wenn sich Home Assistant „in Luft auflösen würde“, hättest du weiterhin deine lokale Installation mit allen bislang gegebenen Möglichkeiten. Löst sich hingegen ein Anbieter mit proprietärem Cloud-Zwang in Luft auf, stehst du, wie bei VanMoof doof da – zumal du zuvor auch noch sehr viel Geld dafür ausgegeben hast. Home Assistant ist kostenlos.

        Wenn es keine andere, als eine Cloud-Lösung gibt, nutze ich die auch, wenn es sein muss. Ist es hingegen mit vertretbarem Aufwand möglich etwas ohne Cloud umzusetzen, werde ich diesen Weg aus vielen Gründen immer bevorzugen.

        Antworten

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