TOMMY: Unsichtbare Präsenzerkennung über WLAN – Die Lösung für Home Assistant?

Seien wir doch mal ehrlich: Wenn es in unseren Smart Homes einen Punkt gibt, der immer noch verbessert werden könnte, dann ist das die Präsenz- und Bewegungserkennung. Denn am Ende des Tages wollen wir wirklich smarte Automationen bauen. Niemand sollte über ein Dashboard Lampen ein- und ausschalten müssen, wenn man Home Assistant nutzt – das muss einfach besser gehen.

Dies wird allerdings kein weiterer Beitrag über den „vermeintlich besten“ Präsenzsensor, der hochakkurat ist und angeblich nur alle sieben Jahre eine neue Batterie braucht. Solche Versprechungen kennen wir aus unzähligen Promotion-Videos zur Genüge. Heute schauen wir uns stattdessen einen völlig anderen Ansatz an: TOMMY.

TOMMY verspricht nicht weniger, als DIE neue Lösung für eine rein lokale und verlässliche Präsenzerkennung im eigenen Smart Home zu sein. Der Clou daran? Das System nutzt ausschließlich dein WLAN!

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Wie funktioniert WLAN-Sensing?

Für regelmäßige Leser hier auf dem Blog ist die grundlegende Technik nicht komplett neu. Bereits im Februar hatte ich mit ESPectre ein ganz ähnliches Konzept vorgestellt.

Generell macht man sich hierbei die sogenannte Channel State Information (CSI) eines WLAN-Netzwerkes zunutze. Anstatt auf klassische Infrarot- oder Radar-Sensoren zu setzen, wird gemessen, was in einem Raum passiert, indem man analysiert, wie das WLAN-Signal durch Wände, Möbel oder Körpermasse verändert wird.

Da wir Menschen größtenteils aus Wasser bestehen, brechen und reflektieren wir diese Signale, sobald wir einen Raum betreten. Genau dieses „Multipath“-Chaos registriert TOMMY als Bewegung und macht diese Information in Home Assistant nutzbar.

Die Hardware: ESPs als unsichtbares Radar

Die eigentliche Messung erfolgt über relativ günstige ESP-Mikrocontroller. Bewegung wird dabei immer zwischen den Geräten gemessen.

Die wichtigsten Fakten zum Setup:

  • Es werden mindestens zwei ESPs pro Zone benötigt.
  • Eine TOMMY-Zone kann sich über ganze Stockwerke erstrecken, unabhängig von Zimmertüren.
  • Im Ergebnis erhältst du für jede Zone einen Binary-Sensor in Home Assistant.
  • Für das Maximum an Performance empfiehlt sich ein ESP32-C5, da dieser auch im 5-GHz-WLAN funkt.

Tipp für Bastler: Es ist nicht zwingend nötig, neue Hardware anzuschaffen. Wenn du bereits ESPHome-Projekte betreibst und die Hardware geeignet ist, kannst du den TOMMY-Code einfach ergänzen. Du nutzt also deine vorhandene Infrastruktur und rüstest sie smart auf.

Der TOMMY-Server selbst läuft super simpel als Home Assistant App – wie die ehemaligen Add-ons ja seit Anfang des Jahres offiziell genannt werden – oder alternativ als Docker-Container. Das Setup geht mit der ausführlichen Dokumentation schnell von der Hand. Ein kleines Detail: Für das Flashen der ESPs via Home Assistant wird eine HTTPS-Verbindung benötigt (z.B. über die Nabu Casa URL).

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Was kostet der Spaß?

Die Zonen in TOMMY sind nicht komplett kostenlos, aber fair bepreist. Man kann das System mit eingeschränkten Funktionen gratis testen. Überzeugt das Setup, gibt es (Stand Juni 2026) zwei Optionen:

  1. Eine Zone: 9 Euro
  2. Unendlich viele Zonen: 29 Euro

Es handelt sich um Einmalzahlungen – erfreulicherweise also absoluter Verzicht auf nervigen Cloud-Zwang oder Abo-Modelle!

Licht und Schatten: TOMMY im Check

Ich habe TOMMY in einer kleineren Test-Zone bei mir eingerichtet und bin von der Technik absolut fasziniert. Dennoch gibt es neben genialen Vorteilen auch Punkte, die man vor dem produktiven Einsatz bedenken sollte.

VorteileNachteile / Herausforderungen
100% lokal: Keine Abhängigkeit von externen Bridges oder Clouds.WLAN-Last: Im „High Performance Mode“ fliegen bis zu 100 Pakete pro Sekunde durch die Luft.
Keine toten Winkel: Erkennt Bewegung auch hinter Möbeln oder Wänden.Netzwerk-Stress: Zwingt schwache 2,4-GHz-Netze schnell in die Knie.
Unsichtbar: Hardware kann komplett versteckt mit Dauerstrom platziert werden.Closed Source: Der Server-Algorithmus ist leider nicht quelloffen.
Matter-Support: Zonen lassen sich direkt via Matter in Apple Home oder Google Home einbinden.

Warum nutzt TOMMY eigentlich WLAN und nicht die bewährten Smart Home Protokolle? Die Antwort ist simpel: Zigbee und Z-Wave sind auf extreme Energieeffizienz und winzige Datenmengen ausgelegt. Die benötigte Bandbreite für die hochauflösende CSI-Analyse geben diese Protokolle physikalisch schlichtweg nicht her.

Die starke WLAN-Belastung ist definitiv ein Faktor. Wer sein Heimnetzwerk ordentlich mit UniFi-Hardware und entsprechenden VLANs für das IoT-Equipment segmentiert hat, steckt diesen Traffic in der Regel souverän weg. Bei Standard-Routern sollte man die Auslastung jedoch gut im Auge behalten.

Ein weiterer Wermutstropfen für mich: Die Server-Software hinter TOMMY ist Closed Source. Wer sein Smart Home sonst konsequent mit Open-Source-Alternativen (wie beispielsweise Valetudo für den Saugroboter oder Music Assistant für Audio) befreit hat, muss hier eine kleine Ausnahme machen. Das birgt immer die Gefahr, dass das Projekt stirbt, falls der Entwickler in ein paar Jahren die Lust daran verliert. Der Code für die ESP-Mikrocontroller ist hingegen Open Source.

Erstes Fazit

Das hier ist noch kein abschließender Erfahrungsbericht, sondern ein erster Eindruck einer wirklich spannenden Technologie. Für Heavy-User in Home Assistant eröffnet WLAN-Sensing völlig neue, unsichtbare Möglichkeiten abseits der klassischen Melder an der Decke.

Wenn du noch zwei ESP32 in der Bastelkiste liegen hast: Flash die Firmware drauf und teste es einfach mal kostenlos aus! Aber sei gewarnt – die Wahrscheinlichkeit, dass du kurz darauf fasziniert eine Lizenz klickst, ist hoch.

Was hältst du von der Idee hinter TOMMY? Ist das die Zukunft der Präsenzerkennung, die wir im Smart Home brauchen? Schreib es mir gerne in die Kommentare!

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