SONOFF SNZB-09P: Endlich eine Sirene, die auch ohne Cloud brüllt?
Ich bin ehrlich: Bei jedem neuen „Smart Home“-Produkt schaue ich zuerst auf eine einzige Zeile in der Produktbeschreibung – und die fehlt bei den meisten Herstellerseiten komplett: Läuft das Ding auch lokal, ohne dass ich der Sonoff-App oder irgendeiner Cloud vertrauen muss?
Bei der neuen SenseGuard Indoor Siren (SNZB-09P), die SONOFF ab dem 7. August für 24,90 € anbietet, musste ich also erst selbst nachschauen, statt der Marketingseite zu glauben. Das Ergebnis: gute Nachrichten, aber mit ein paar Fragezeichen, die sich im Praxiseinsatz klären werden.
Die technischen Daten laut Hersteller
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Produktserie | SenseGuard |
| Modell | SNZB-09P |
| MCU | TLSR8656 |
| Stromversorgung | Dual-Power: wahlweise per USB-C-Kabel (5V⎓1A) oder integrierter Akku |
| Anschluss | USB-C |
| Funkstandard | Zigbee (IEEE 802.15.4) |
| Farbe | Weiß |
| Abmessungen | 81 × 81 × 35 mm |
| Gewicht | 106 g |
| Gehäusematerial | ABS |
| Funkreichweite | bis zu 100 m im Freien |
| Einsatzort | Innenbereich |
| Betriebstemperatur | 0 °C bis 45 °C |
| Luftfeuchtigkeit | 0–90 % rF, nicht kondensierend |
| Zertifizierungen | CE / FCC / RoHS |
| Preis | 24,90 € (sonoff.tech) |
Wichtig für die Montage: Die Sirene lässt sich entweder dauerhaft per USB-C-Kabel an eine Steckdose anschließen oder komplett kabellos über den eingebauten Akku betreiben – man ist also nicht auf eine Steckdose in der Nähe angewiesen. Zigbee2MQTT meldet den aktuellen Modus über die Entität power_supply_mode (battery oder external), sodass man in Home Assistant jederzeit sehen kann, in welchem Modus das Gerät gerade läuft und – im Akkubetrieb – wie hoch der Ladestand ist.
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Was in der Produktbeschreibung nicht auftaucht, sich aber im eigenen Test bestätigt hat: Am Gehäuse gibt es einen physischen ON/OFF-Schalter, mit dem sich das Gerät komplett hart ausschalten lässt – unabhängig von Software-Einstellungen wie alarm_sound_enable. Praktisch etwa für die Ersteinrichtung, zum Trennen bei Wartungsarbeiten, oder wenn man ganz sichergehen will, dass keine versehentlichen Alarme ausgelöst werden, während man am Zigbee-Netzwerk herumbastelt.

Wie immer gilt: Herstellerangaben sind Herstellerangaben. Die 100 m Funkreichweite etwa gelten laut eigener Aussage nur „im Freien“ – in einer Wohnung mit mehreren Wänden würde ich deutlich weniger erwarten, gerade wenn kein Zigbee-Router in der Nähe steht.
Die gute Nachricht zuerst: Zigbee2MQTT unterstützt sie bereits
Die SNZB-09P basiert auf Zigbee 3.0 (Chip: TLSR8656) und ist – Stand jetzt – offiziell in Zigbee2MQTT gelistet. Das heißt: Kein Sonoff-Hub, keine Zigbee-Bridge des Herstellers, keine App-Abhängigkeit. Ein Zigbee-Stick, Zigbee2MQTT (oder alternativ ZHA in Home Assistant), fertig. Damit ist die Sirene, anders als so manches Sonoff-Wi-Fi-Produkt, tatsächlich für den lokalen Betrieb geeignet – ein Pluspunkt, den ich bei einer 25-Euro-Sirene nicht selbstverständlich finde.

Zigbee2MQTT stellt dabei folgende Entitäten bereit, die man in Home Assistant direkt nutzen kann:
siren_on– Sirene manuell auslösenalarm_sound_enable/alarm_light_enable– Ton bzw. Blitzlicht getrennt schaltenalarm_sound_type– zehn Klangvarianten (sound_0bissound_9)alarm_volume_level– vier Stufen:low,medium,high,highestalarm_duration– Alarmdauer von 1 bis 900 Sekundentamper– Sabotageerkennungbatteryundpower_supply_mode– für den Akku-/Netzbetrieb
Das ist eine ordentliche Liste an Automatisierungsmöglichkeiten, und genau darin liegt für mich der eigentliche Reiz: Ich kann pro Sensor (Tür, Fenster, Bewegungsmelder) eine eigene Kombination aus Ton, Lautstärke und Dauer definieren – rein lokal, ohne Umweg über einen Server irgendwo im Internet.
Wie man das Ding in der Praxis nutzt
Der eigentliche Mehrwert entsteht erst, wenn man die Sirene mit anderen Zigbee-Geräten verknüpft. Ein paar Beispiele, die sich direkt als Home-Assistant-Automation umsetzen lassen:
- Einbruchsalarm bei Tür/Fenster: Löst ein Tür-/Fenstersensor außerhalb der „Zuhause“-Zeit aus, wird
alarm_sound_typeauf einen lauten Ton gesetzt,alarm_volume_levelaufhighest,alarm_durationauf z. B. 60 Sekunden, undalarm_light_enablezusätzlich aktiviert. - Dezenter Hinweis bei Paketzustellung: Löst ein Sensor am Briefkasten oder ein Bewegungsmelder an der Haustür aus, reicht ein kurzer, leiser Ton (
low, wenige Sekunden) statt eines vollen Alarms. - Unterschiedliche Töne für unterschiedliche Räume: Da zehn Sound-Presets (
sound_0bissound_9) zur Verfügung stehen, lässt sich pro Sensor ein eigener Ton hinterlegen – man hört beim Auslösen sofort, ob es an der Haustür, im Keller oder am Fenster war, ohne erst die App zu öffnen. - Nachtmodus mit Blitzlicht: Über eine zeitgesteuerte Automation lässt sich
alarm_light_enablenachts automatisch aktivieren, während tagsüber z. B. nur der Ton läuft – nützlich, wenn man Nachbarn nicht unnötig mit Blinklicht stören möchte. - Verknüpfung mit Kameras: Erkennt eine lokal angebundene Kamera (z. B. über Frigate) eine Person im Garten, kann dieselbe Automation zusätzlich
siren_onauslösen – alles ohne Cloud-Trigger, rein über den lokalen MQTT-Broker.

Der Charme dabei: Alle diese Szenarien laufen komplett innerhalb von Home Assistant und Zigbee2MQTT ab. Man ist nicht auf die Sonoff-App und ihre vordefinierten Szenen angewiesen, sondern kann beliebig komplexe Bedingungen (Uhrzeit, Anwesenheit, mehrere Sensoren gleichzeitig) einbauen.
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Wo ich die Marketing-Zahlen kritisch sehe
Beim genaueren Lesen fallen mir zwei kleine Widersprüche zwischen Produktbeschreibung und dem, was Zigbee2MQTT tatsächlich als Steuerbefehle anbietet:
„Fünf Lautstärkestufen (inklusive Stumm)“ – im Produkttext steht das so, aber Zigbee2MQTT kennt nur vier Stufen (low bis highest). Eine echte fünfte Stufe „0/mute“ taucht dort nicht auf – wer die Sirene stummschalten will, muss alarm_sound_enable auf OFF setzen, statt eine eigene Lautstärkestufe zu wählen. Kein Beinbruch, aber eben nicht exakt das, was die Marketingzeile suggeriert.

105 dB und „deckt die ganze Etage ab“ – möglich, aber solche Herstellerangaben zu Lautstärke werden fast nie unter Normbedingungen (Abstand, Raumgröße, Möblierung) gemessen. Ich würde diese Zahl nicht blind glauben, sondern die Sirene nach dem Kauf tatsächlich selbst mit einer Lautstärke-App testen, bevor ich mich auf sie als alleinige Abschreckung verlasse.
Akkulaufzeit „über 300 Tage im Silent-Modus“ – das bezieht sich vermutlich nur auf reinen Standby ohne ausgelöste Alarme, nicht auf reale Nutzung mit gelegentlichem Testalarm oder häufigem Battery-Reporting über Zigbee. Solche Angaben sind fast immer Idealwerte im Labor. Realistisch würde ich mit spürbar weniger rechnen, gerade wenn man das Gerät batteriebetrieben in einer verwinkelten Wohnung mit schwächerem Zigbee-Signal einsetzt.

Was ich an der lokalen Idee mag
Die eigentliche Stärke des Produkts liegt für mich nicht in der Lautstärke, sondern in der Entkopplung von der Cloud. Eine Alarmsirene, die bei Internetausfall trotzdem noch losgeht, weil die komplette Automatisierung lokal in Home Assistant läuft – das ist der Punkt, an dem sich Zigbee-Geräte mit offener Community-Unterstützung von reinen Wi-Fi-Cloud-Gadgets unterscheiden. Gerade bei einem Sicherheitsprodukt wie einer Sirene will ich mich nicht darauf verlassen, dass ein Hersteller-Server irgendwo erreichbar ist, wenn tatsächlich jemand die Tür aufbricht.
Fazit
Auf dem Papier macht die SNZB-09P vieles richtig: Zigbee 3.0, Zigbee2MQTT-Support ab Marktstart, sinnvolle Entitäten für Automatisierungen, Dual-Power-Option für flexible Montage. Wer lokal bleiben will, bekommt hier tatsächlich ein Produkt, das ohne Sonoff-App auskommt. Bei den Hochglanz-Zahlen (105 dB, fünf Lautstärkestufen, 300 Tage Akku) würde ich aber, wie bei jedem Herstellerversprechen, erst mal selbst nachmessen, bevor ich sie als Sicherheitsfaktor einplane. Für 24,90 € ist das Risiko dabei überschaubar – aber ein bisschen gesunde Skepsis schadet nie, besonders wenn’s um Alarmanlagen geht.
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Das genannte Produkt wurde mir vom Hersteller kostenlos zur Verfügung gestellt. Ich weise hierauf ausdrücklich hin, da ich Wert auf größtmögliche Transparenz lege.
Das kostenlose Bereitstellen eines Produktmusters hat keine Auswirkung auf meine Berichte hierzu, was du an möglicher geäußerter Kritik auch immer erkennen kannst.
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