Neuer Matter-Server, Hue-Doppelfunk und IKEAs Hub-lose Neonstreifen

Diese Woche im Smart-Home-Kosmos ist einiges los: Während ich mein eigenes Kölner Meetup dank knapp 40 Grad und fehlender Klimaanlage erstmal verschieben musste (die Ironie ist mir nicht entgangen), kannst du das Team der Open Home Foundation immerhin zur IFA in Berlin auf einem Rooftop treffen – die ersten zwei Drinks gehen aufs Haus. Ansonsten wird’s technisch: Die Matter-Unterstützung in Home Assistant hat einen komplett neuen Server bekommen, Philips Hue lässt seine Lampen künftig Zigbee und Thread gleichzeitig sprechen, und IKEA bringt offenbar Neon-Lichtleisten, die ganz ohne Dirigera-Hub auskommen. Wer lieber selbst zum Lötkolben greift, findet außerdem einen ESP32-Lüftercontroller fürs Heimserver-Rack und ein DIY-Türkeypad in Pez-Spender-Größe zum Nachbauen. Und zum Nachdenken gibt’s noch einen lesenswerten Beitrag darüber, warum dir die Daten deines eigenen Gebäudes eigentlich gar nicht so richtig gehören – und was du dagegen tun kannst.

Open Home Foundation Meetup zur IFA 2026 in Berlin

Wenn du zur IFA Berlin (4.–8. September 2026) fährst, hast du die Möglichkeit, das Team hinter der Open Home Foundation persönlich zu treffen: Am Sonntag, den 6. September 2026, von 19 bis 22 Uhr findet auf dem Enjoy Rooftop in Berlin ein Community-Meetup statt, bei dem du mit den Köpfen hinter Home Assistant, Music Assistant und ESPHome sowie den Partnern Apollo Automation und Nabu Casa ins Gespräch kommen kannst – die ersten zwei Getränke gehen aufs Haus, dazu gibt es kleine Snacks. Die Teilnehmerzahl ist auf 100 Personen begrenzt, eine Anmeldung über diesen Eventlink ist daher erforderlich.

Temperaturbedingt musste ich mein erstes Abend-Meetup rund um Home Assistant (in Köln) ja ganz aktuell verschieben. Eigentlich wären wir am letzten Donnerstag zusammengekommen, um entspannt über das schönste Thema der Welt (Home Assistant offensichtlich) zu reden. Aber bei Temperatur bis zu 40 Grad und fehlender Klimaanlage in der Location, war ein Verschieben des Meetups die wohl beste Option. Hoffen wir, dass es bei der einen Verschiebung bleibt 😉

Matter in Home Assistant: Neuer Server, mehr Stabilität und Netzwerk-Visualisierung

Die Matter-Unterstützung in Home Assistant wurde grundlegend erneuert: Der bisherige Python-basierte Matter Server wurde durch eine neue Implementierung auf Basis von matter.js ersetzt, einer Open-Source-TypeScript-Umsetzung des Matter-Standards, die von Ingo Fischer entwickelt und an die Open Home Foundation gespendet wurde. Der neue „Matter Server App 9.0″ bringt schnellere Gerätestarts und -reconnects, höhere Stabilität, verbesserte OTA-Updates und mehr Sicherheit beim Einbinden neuer Geräte – unkritische Entwicklungszertifikate werden standardmäßig blockiert. Besonders hervorzuheben ist eine neue Netzwerk-Visualisierung, die Thread- und WLAN-Netzwerke grafisch darstellt, inklusive Verbindungsqualität und Geräterolle. Gleichzeitig wurde auf Matter 1.5.1 aktualisiert, und der OpenThread Border Router unterstützt nun Thread 1.4 – Matter ist mittlerweile in 38 % aller Home-Assistant-Instanzen aktiv.

Philips Hue: Gleichzeitig Zigbee und Thread nutzen

Philips Hue kündigt, wie TheVerge berichtet (Englisch), ein Update für seine neueren Matter-over-Thread-fähigen Leuchtmittel an, das es ermöglicht, Zigbee und Thread gleichzeitig zu betreiben – bisher musste man sich bei der Einrichtung für eines von beiden entscheiden. Dank der „Concurrent Multiprotocol“-Technologie (CMP) des Chipherstellers Silicon Labs können kompatible Hue-Lampen künftig gleichzeitig mit einer Hue Bridge und einem Thread-Netzwerk verbunden sein, also parallel in Matter-Ökosystemen wie Apple Home, Alexa oder Google Home funktionieren, ohne die Verbindung zur Hue-App aufzugeben. Das Update soll noch in diesem Jahr für Geräte auf Basis der Silicon-Labs-Chips MG26 und SiMG301 ausgerollt werden, die Ende letzten Jahres eingeführt wurden.

ESP32-basierter PWM-Lüftercontroller als selbst lötbares Hobbyprojekt

Das GitHub-Projekt „esp32-fan-controller“ ist ein Open-Hardware-Hobbyprojekt, das eine selbst entworfene Platine (155 × 85 mm, KiCad 10) für die Temperaturgesteuernte Lüftungsregelung im Heimserver-Bereich beschreibt: Ein ESP32 DevKitC V4 steuert bis zu vier PWM-Lüfter (z. B. Noctua NF-A14) und liest vier DS18B20-Temperatursensoren aus – alles auf einer kompakten, hand-löterfreundlichen Platine mit Durchsteckmontage (THT), die mit 12V versorgt wird und einen integrierten Buck-Converter auf 5V für den ESP32 enthält. Das Projekt entstand aus zwei Prototyp-Phasen: zunächst einem ESPHome-basierten Temperaturmonitor mit Home Assistant, dann einem Lüfter-Testaufbau auf einem Steckbrett – die Platine vereint beides. Schaltplan und PCB-Layout sind ERC- und DRC-sauber, die Platine ist bereits bestellt; die ESPHome-Firmware und das finale Gehäuse stehen noch aus. Alle Designdateien stehen unter MIT-Lizenz frei zur Verfügung.

Wenn Gebäudedaten dir nicht gehören

Willem Vooijs, technischer Verantwortlicher im Hortus Botanicus in Amsterdam, beschreibt anhand einer simplen Frage – warum raucht an einem milden Frühlingstag der Gaskessel? – ein strukturelles Problem moderner Gebäudetechnik: Die Ursache (eine ausgefallene Wärmepumpe, für die der Gaskessel still einsprang) wurde erst sichtbar, als er Daten aus fünf getrennten, herstellergebundenen Systemen mühsam von Hand abglich. Sein Punkt: Die Daten existieren längst und du hast die Sensoren dafür bezahlt, aber kontrollieren tust du sie nicht – Systeme sind bewusst voneinander abgeschottet und für Ingenieure statt für Botaniker oder Controller gebaut. Vooijs sieht das Problem jetzt lösbar durch drei Entwicklungen: den EU Data Act (seit September 2025 Recht auf maschinenlesbaren Zugriff auf deine eigenen Gerätedaten), eine reife, herstellerunabhängige Plattform wie Home Assistant als Datenheimat und das Model Context Protocol, mit dem du einen KI-Assistenten an deine vereinten Daten anbindest und dem Gebäude Fragen in normaler Sprache stellst. Den stärksten Einwand – Abhängigkeit von einer cleveren Person, die irgendwann geht – kontert er damit, dass genau diese Klartext-Schnittstelle auch das Ändern des Systems öffnet: Dashboards und Automationen entstehen ohne Spezialwissen, während die Infrastruktur darunter bewusst langweilig und dokumentiert bleiben muss. Seine Aufforderung: Wenn du Home Assistant zu Hause nutzt, richte eine Testinstanz auf genau ein System bei der Arbeit – und wenn nicht, fang mit einer Inventur an und frag deinen Hersteller unter Berufung auf den Data Act nach maschinenlesbarem Zugriff.

IKEA bringt Neon-Lichtleisten mit Matter-over-Thread – ganz ohne Hub

Durchgesickerte FCC-Dokumente zeigen, dass IKEA bald zwei flexible Neon-Lichtleisten auf den Markt bringt, die du ohne Dirigera-Hub direkt mit Apple Home oder Google Home verbindest. Dank dicker, diffuser Silikonhülle erzeugen sie eine gleichmäßige, durchgehende Lichtbahn – ideal entlang von Möbeln, am Schreibtisch oder als Lichtakzent an der Wand. Die STYRSTRECK liefert 1.200 Lumen, RGB und Warmweiß mit 2.700 Kelvin bei 28 Watt, die KLOLANKE 1.050 Lumen, RGB und klares Weiß mit 3.000 Kelvin bei 32 Watt. Der entscheidende Hinweis: Die FCC testete Dimmen und Farbwechsel über die Apple-Home-App auf einem iPhone 15 – ein klarer Beleg für Matter-over-Thread, womit sich die Streifen direkt mit einem Thread Border Router wie HomePod oder Google Nest Hub verbinden. Einen Termin und Preis nennt IKEA noch nicht, angesichts des produktionsreifen FCC-Status ist ein Marktstart aber für Ende 2026 oder Anfang 2027 zu erwarten. (tink berichtete hierüber)

DIY-Touch-Keypad für die Haustür – batteriebetrieben, ohne Cloud

Dieses Open-Source-Projekt von 2dom zeigt dir, wie du dir ein schlankes, batteriebetriebenes Touch-Keypad für die Haustür selbst baust, das per Zigbee direkt mit deinem Koordinator und Home Assistant spricht – ohne Cloud und ohne Bindung an ein Ökosystem. Etwa so groß wie ein Pez-Spender, läuft das Gerät dank aggressivem Deep-Sleep rund ein halbes Jahr mit einer 1300-mAh-LiPo-Zelle und wacht beim Tastendruck in Millisekunden auf. Im Inneren stecken ein ESP32-C6, ein MPR121-Touch-Controller und ein 2×6-Tastenfeld mit Ziffern sowie Clear und Enter. Das Repo liefert alles zum Nachbauen: Gerber-Dateien, ein 3D-druckbares Gehäuse, die mit PlatformIO baubare Firmware und eine Beispiel-Automation, die Codes auf Aktionen wie Tür öffnen oder Rollladen steuern mappt. In Home Assistant erscheint das Keypad über ZHA oder Zigbee2MQTT als „DrDoms KeyPad2″. Dank des nativen 802.15.4-Radios des ESP32-C6 läuft dieselbe Firmware auch mit Matter oder Thread, da nur der Funkstack getauscht wird; die Firmware steht unter MIT-, die Hardware unter der CERN-Open-Hardware-Lizenz.

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