Warum gibt es eigentlich keinen Saugroboter, der komplett ohne Cloud-Zwang funktioniert und dir dennoch den üblichen Komfort bietet? Ein Gerät, das sich nahtlos in Home Assistant integrieren lässt, ohne dass man sich Sorgen machen muss, von Kameras, Mikrofonen und Sensoren ausspioniert zu werden?
Ob die Dinger uns nun wirklich ausspionieren oder nicht – ich habe einfach keine Lust mehr darauf, dass mein Smart Home von externen Servern abhängig ist. Es leuchtet schlicht nicht ein, warum die Beseitigung von Chipskrümeln in meinem Wohnzimmer über eine vermutlich in Fernost positionierte Cloud abgewickelt werden muss. Leider gibt es keinen mir bekannten Hersteller, der den vollen Funktionsumfang ohne diese zweifelhafte Anbindung anbietet. Keinen einzigen.
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Beim letzten Community-Meetup in Hürth habe ich gemerkt: Ich bin mit diesem Unverständnis zum Glück nicht alleine. Viele von euch Smart-Home-Junkies sehen das ganz ähnlich. Und wer meinen Blog schon länger verfolgt, weiß, dass mich das Thema nicht erst seit gestern beschäftigt. Bereits 2022 habe ich darüber geschrieben, wie man einen Xiaomi/Roborock von der Cloud befreit. Seitdem ist mein Anspruch an Privatsphäre im Smart Home nur noch gewachsen – und ich habe eine neue, wenn auch dornige Lösung für mein aktuelles Setup gefunden.
Hier gibt es das Ganze auch als Video von mir:
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Valetudo: Die Lösung für einen Saugroboter ohne Cloud
Wenn du einen Saugroboter ohne Cloud betreiben willst, führt kaum ein Weg an Valetudo vorbei. Das ist eine Open-Source-Software, die die ständige Datenübertragung an externe Server komplett kappt. Der Roboter arbeitet danach rein lokal in deinem Heimnetzwerk. Die App des Herstellers funktioniert dann zwar nicht mehr, aber dafür hast du die volle Kontrolle und das echte Eigentum über dein Gerät zurück.

Das Projekt wurde 2018 von Sören Beye gestartet und verfolgt eine ganz eigene Philosophie. Valetudo ist sogenannte „opinionated software“. Das bedeutet: Der Entwickler hat eine kompromisslose Vision. Er vergleicht das Projekt gerne mit einem Privatgarten. Du darfst ihn als Gast kostenlos besuchen, aber du hast kein Recht darauf, dem Besitzer vorzuschreiben, welche Blumen er pflanzen soll. Es gibt keine Community, die demokratisch über neue Features (wie etwa bei Home Assistant) abstimmt.
Valetudo verzichtet ganz bewusst auf Dinge wie die Unterstützung für mehrere Etagen und ist komplett auf Englisch. Das Ziel ist nicht, die Hersteller-App mit all ihrem Schnickschnack nachzubauen, sondern schlichtweg einen Roboter zu haben, der lokal und zuverlässig seine Kernaufgabe erfüllt. Wer ständig neue Funktionen sucht, ist hier an der falschen Adresse. Valetudo stellt sich gegen den typischen Konsumwahn und instabile, überladene Systeme.
Meine Hardware-Wahl: Der Eureka J15 Pro Ultra
Da mein alter Valetudo-Roboter aus dem Jahr 2020 mittlerweile in die Jahre gekommen ist und nur stumpf saugen konnte, musste ein neues Modell her. Bei der Wahl lag mein Fokus vor allem auf den nötigen Schritten, um das Gerät zu rooten. Die Hersteller betreiben mittlerweile nämlich unterschiedlich viel Aufwand, um genau das zu verhindern. Bei manchen Geräten muss man spezielle Boards anlöten – ein enormer Aufwand.
Meine Wahl fiel auf den Eureka J15 Pro Ultra² (Baujahr 2024), Stand 13.03.26 für ca. 390€ zu haben. Das ist ein Saug-Wisch-Roboter mit automatischer Entleerung und rotierenden Wischpads. Der entscheidende Vorteil: Im Idealfall kann das Rooten und Flashen hier über ein simples Micro-USB-Kabel erfolgen.
Hinweis zu Recherchen: Wer sich die Specs genauer ansehen will, findet oft gute Vergleiche bei Smarthome Assistent. Beachtet aber bei solchen Bestenlisten immer, dass Funktionen per Software nachgereicht werden können und Infos zur Valetudo-Unterstützung dort nicht immer fehlerfrei oder tagesaktuell sind.

Der riskante Weg zur lokalen Steuerung
Um den Eureka J15 Pro Ultra² (Stand 13.03.26 ca. 390€) mit Valetudo zu bespielen, brauchte ich neben dem USB-Kabel noch einen Laptop mit Debian 13 (eine Live-USB-Instanz auf einem alten Rechner reicht), die Android Debug Bridge (ADB), die httpbridge von Valetudo und natürlich die Firmware selbst. Der Roboter muss währenddessen in der Dockingstation stehen und zeitgleich über USB mit dem Rechner verbunden sein.
Grob gesagt stellt man per USB einen ADB-Zugriff her, öffnet den WIFI-Access-Point des Roboters, stößt den Download der Valetudo-Firmware an und startet die Installation. Wer genau weiß, was er tut, ist in einer halben Stunde fertig. Bei mir war es fast der gesamte Samstag. Ich habe beim Zusammenstellen der Firmware einen wirklich dummen Fehler gemacht und hatte nach dem Flashen kurzzeitig einen komplett „leeren“ Roboter.
Daher hier meine eindringliche Warnung: Ich empfehle niemandem, das nachzumachen! Selbst der Macher von Valetudo rät dringend davon ab. Der Eingriff erfordert, dass du das Gerät rootest. Das ist permanent – ein Zurück zur Originalsoftware gibt es nicht. Wenn du einen Fehler machst, kannst du das Gerät „bricken“ und komplett unbrauchbar machen. Von Garantieansprüchen brauchen wir gar nicht erst zu reden. Macht das wirklich nur, wenn ihr die Cloud-Abhängigkeit absolut nicht mehr ertragt und bereit seid, im schlimmsten Fall Elektroschrott zu produzieren.
Das Ergebnis: Smarter Saugroboter, 100% lokal
Nach einigem Herzrasen hat am Ende alles geklappt. Ist Valetudo installiert, holst du den Roboter über WLAN in dein lokales Netzwerk. Über die lokale IP-Adresse greifst du auf eine Weboberfläche zu, die die App des Herstellers ersetzt. Von hier aus steuerst du alles.
Der eigentliche Clou für uns Smart-Home-Fans: Über MQTT lässt sich der Valetudo-Roboter nahtlos mit Home Assistant verbinden.

Bietet mir das alle Funktionen der Hersteller-App out-of-the-box? Sicherlich nicht. Aber ich habe endlich wieder einen modernen Saugroboter ohne Cloud. Niemand greift auf Sensordaten, Kamerabilder, Audiosignale oder die Grundrisse meiner Wohnung zu. Die Kommunikation erfolgt rein lokal – garantiert.
Wer die Hürden und Nachteile (Garantieverlust, reduzierter Funktionsumfang) akzeptiert und sich auf die ehrliche Vision von Valetudo einlässt, bekommt ein extrem zuverlässiges System, das einfach privat und sicher in den eigenen vier Wänden seinen Job macht.
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